iPhone Duo: John Ternus erklärt, warum Apple so lange mit einem Foldable gewartet hat
Mit dem iPhone Duo steigt Apple vergleichsweise spät in den Markt für faltbare Smartphones ein. Dabei beschäftigt sich das Unternehmen schon seit mehr als einem Jahrzehnt mit entsprechenden Konzepten. In einem ausführlichen Interview mit dem TIME Magazine spricht Apple-Chef John Ternus über die lange Entwicklungszeit, die Schwächen früherer Foldables und die technischen Entscheidungen hinter dem neuen Gerät.
- Apple beschäftigt sich bereits seit 2011 mit faltbaren Geräten.
- John Ternus kritisiert die Verarbeitung früherer Foldables.
- Das iPhone Duo kombiniert eine spezielle Displayoberfläche mit einem komplexen Scharnier.
- Der Einstiegspreis liegt bei 2.299 Euro.
- Bei Siri setzt Apple auch auf Googles Gemini-Technologie.
Frühe Foldables überzeugten Apple nicht
Bereits 2011 arbeitete Ternus gemeinsam mit fünf weiteren Apple-Ingenieuren an einem Patentantrag für faltbare elektronische Geräte. Damals untersuchte das Team unter anderem, wie Akkus und Leiterplatten für entsprechende Bauformen gestaltet werden könnten.
Schon zu diesem Zeitpunkt sei absehbar gewesen, dass OLED-Displays eines Tages flexibel genug für faltbare Geräte sein würden. Bis zu einem marktreifen Produkt war es allerdings noch ein weiter Weg.
Besonders deutlich äußert sich Ternus über die ersten faltbaren Smartphones anderer Hersteller. Diese hätten auf ihn teilweise „billig und minderwertig“ gewirkt. Gemeint waren vor allem die empfindlichen Displays und deutlich sichtbaren Falten in der Bildschirmmitte.
Apple wollte nach Darstellung des Konzernchefs kein Gerät veröffentlichen, das mit vergleichbaren Kompromissen verbunden ist. Deshalb habe das Unternehmen zusätzliche Entwicklungszeit in Kauf genommen, obwohl konkurrierende Hersteller längst eigene Foldables verkauften.
Ein Foldable ist ein Smartphone mit einem faltbaren Display. Dadurch lässt sich eine größere Bildschirmfläche in einem vergleichsweise kompakten Gehäuse unterbringen.
Eine technische Herausforderung ist die Falzstelle, an der das Display regelmäßig gebogen wird. Hersteller müssen dafür flexible Bildschirmmaterialien mit einem präzisen Scharnier kombinieren. Entscheidend sind unter anderem die Haltbarkeit, die Sichtbarkeit der Falte und die Widerstandsfähigkeit der Oberfläche.
Spezielles Displaymaterial und komplexes Scharnier
Wie weit Apple bei der Entwicklung gehen wollte, beschreibt auch Richard Dinh, Vice President of Product Design bei Apple. Sein Team habe zwischenzeitlich erwogen, für die Displayoberfläche ein Material zu verwenden, das bereits bei konkurrierenden Geräten zum Einsatz kam.
Obwohl diese Lösung bekannte Schwächen hatte, wäre sie aus technischer Sicht möglicherweise ausreichend gewesen. Ternus habe das Team jedoch ermutigt, weiter nach einer besseren Variante zu suchen.
Das Ergebnis ist eine speziell entwickelte Polymeroberfläche mit einer besonderen Oberflächenstruktur. Zusammen mit einem Scharnier, das aus mehr als 100 kleinen Präzisionsbauteilen besteht, soll sie die sichtbare Falte im Display deutlich reduzieren.
Erste Nutzer berichten laut TIME, dass die Falte beim iPhone Duo kaum noch wahrnehmbar sei. Wie widerstandsfähig die Konstruktion langfristig ist, lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten.
Auch die Software musste Apple anpassen. Ein neuer Display-Controller ermöglicht fließende Übergänge zwischen dem äußeren und inneren Bildschirm. Darüber hinaus wurde die Bedienoberfläche von iOS überarbeitet. Wichtige Bedienelemente wanderten auf die rechte Seite, damit sie mit dem Daumen leichter erreichbar sind.
Das iPhone Duo soll damit zwei Nutzungskonzepte verbinden: Im zusammengeklappten Zustand ist es ein vergleichsweise kompaktes Smartphone, aufgeklappt bietet es eine größere Arbeitsfläche, die sich ähnlich wie ein Tablet verwenden lässt.
Apple setzt auf hochwertige Hardware – zu einem hohen Preis
Das iPhone Duo ist gleichzeitig eines der teuersten Geräte im iPhone-Portfolio. Der Preis liegt bei 2.299 Euro und kennt je nach Speicherausbau danach nur noch eine Richtung.
Damit richtet sich das Foldable zunächst vor allem an Kunden, die bereit sind, für das neue Format einen deutlichen Aufpreis zu zahlen.
Ob Apples längere Entwicklungszeit tatsächlich zu einem besseren Produkt geführt hat, müssen unabhängige Tests und Erfahrungen über einen längeren Nutzungszeitraum zeigen.
John Ternus setzt als neuer Apple-Chef jedenfalls einen klaren Schwerpunkt auf Produktdesign. Laut TIME verbringt er seit seinem Amtsantritt am 1. September 2026 mehrere Tage pro Woche mit den Teams für Industrie- und Benutzeroberflächendesign.
Auch Siri und künstliche Intelligenz waren Thema
Neben dem iPhone Duo sprach Ternus über Apples KI-Strategie. Dabei ging es insbesondere um die Verwendung von Googles Gemini-Technologie für die neue Siri.
Für Ternus ist die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen kein grundsätzlicher Widerspruch zu Apples bisheriger Produktstrategie. Apple müsse nicht jede einzelne Technologie selbst entwickeln. Entscheidend sei vielmehr, in welchen Bereichen das Unternehmen einen eigenen Mehrwert schaffen könne.
Die neue Siri soll vor allem davon profitieren, dass auf einem iPhone zahlreiche persönliche Informationen zusammenlaufen. Mit entsprechender Zustimmung der Nutzer kann der Assistent Informationen aus Nachrichten, E-Mails, Kalendern und Dokumenten miteinander verknüpfen.
Apple sieht darin einen Vorteil gegenüber KI-Systemen, die nicht in vergleichbarer Weise in das Betriebssystem und die persönlichen Daten eingebunden sind.
Ternus macht zugleich deutlich, dass er trotz der Fortschritte bei künstlicher Intelligenz weiterhin eine wichtige Rolle für klassische Hardware sieht. Menschen würden auch künftig Geräte benötigen, um miteinander zu kommunizieren, Fotos aufzunehmen und digitale Inhalte zu nutzen.
Das iPhone Duo steht damit beispielhaft für eine Strategie, bei der Apple die enge Verbindung aus Hardware, Software und Diensten in den Mittelpunkt stellt.

Die technischen Details des iPhone Duo zeigen, wie viel Entwicklungsarbeit insbesondere im Display und im Scharnier steckt. Gleichzeitig darf man nicht übersehen, dass andere Hersteller den Markt für faltbare Smartphones über Jahre aufgebaut und die Technik kontinuierlich verbessert haben.
Bei einem Einstiegspreis von knapp 2.000 US-Dollar bzw. 2.300 Euro muss Apple nun beweisen, dass diese zusätzliche Entwicklungszeit für Käufer einen spürbaren Unterschied macht. Entscheidend werden neben der nahezu unsichtbaren Displayfalte vor allem die Alltagstauglichkeit, die Haltbarkeit und der praktische Nutzen des größeren Bildschirms sein.








